Chronik 1. Teil

Vorbemerkung: Bei den nachfolgenden Ereignissen handelt sich zum Teil um einen Auszug aus der Illgauer Chronik von 1948. Diese Chronik wurde durch P. Ezechiel Britschgi, ehemaliger Pfarrverweser in Illgau erstellt und als Büchlein herausgegeben. Inzwischen ist dieses Büchlein jedoch vergriffen. Er konnte auch auf die wertvollen Notizen von Elisa Betschart, Sonnheim zugreifen, die als eigentliche Lokalchronistin bezeichnet werden darf. Da mich die Geschichte von Dorf und Bevölkerung von Illgau ebenfalls sehr interessiert, habe ich nun die Chronik weitergeführt. Ich durfte von Elisa Betschart sämtliche Notizen, sozusagen als Nachlass, übernehmen. Es ist vorgesehen, nach Beendigung des 20. Jahrhunderts die Chronik gelegentlich wieder als Schrift herauszugeben.

Konrad Bürgler, Feldli, 6434 Illgau

1303
Illgauer bauen erstes Kirchlein

Mit Erlaubnis des Bischofs von Konstanz, zu dessen Bistum das Alte Land Schwyz gehörte, bauen die Bewohner von Illgau ein Kirchlein und lassen es zu Ehren der heiligen Dreikönige einweihen. Wenn sie auch noch keinen Priester haben, so kann doch der Pfarrer von Muotathal hier hin und wieder die hl. Messe lesen. (Bri,10)

1393, 13. August
Der Bischof von Konstanz genehmigt die Pfrund auf Illgau

Die entscheidende Urkunde für Illgau ist die am 13. August 1393 erlassene bischöfliche Errichtungsurkunde für eine Priesterpfrund auf Illgau. Sie ist lateinisch verfasst auf grossem feierlichem Pergament mit bischöflichem Siegel, und liegt nun völlig zu Recht seit altem in Illgau (Gemeindearchiv), 1849 erstmals veröffentlicht im Geschichtsfreund. (AG1,150)

Mit dieser Urkunde beginnt die Selbständigkeit der Pfarrei und späteren politischen Gemeinde Illgau.

1560, 6. Januar
Patrozinium von Illgau

Nachts um 2 Uhr wird in Schwyz die grosse Glocke geläutet für jene, die nach Illgau an die Feier des Patroziniums gehen wollen.
Überhaupt wird das Kirchlein der hl. Dreikönige auf Illgau in dieser Zeit von Privaten und mit Kreuz und Fahnen aus nah und fern häufig besucht, wie auch die Verehrung der hl. Dreikönige, deren Leiber seit dem 13. Jahrhundert im prachtvollen Reliquienschrein im Kölner Dom aufbewahrt werden, beim katholischen Volk weit verbreitet ist. (Bri,16)

1676, 6. März
Illgau wird eine selbständige Pfarrei

Pfarrer Melchior Büeler nimmt mit den Kirchgenossen von Illgau an der Kirchgemeinde in Muotathal teil, um die Angelegenheit wegen der Abkurung zu regeln. Es geht alles gut vonstatten. Illgau wird als eigenständige Pfarrei anerkannt. Nur sollen die gegenseitigen alten Rechte und Pflichten, wie sie am 1. April 1659 im Pfarrhof zu Schwyz festgelegt wurden, bestehen bleiben.

Im gleichen Jahre noch erscheint Pfarrer Melchior Büeler auf dem Kapitel, das dieses Jahr in Stans abgehalten wird, und referiert über den Verlauf der Bereinigungen zwischen Illgau und Muotathal. Auch der Pfarrer von Muotathal ist anwesend. Darauf nimmt das Kapitel Pfarrer Büeler als 52 Mitglied auf, wofür dieser eine Taxe von 1 Gl zu bezahlen hat.

Illgau ist somit von Muotathal vollständig losgetrennt und als selbständige Pfarrei anerkannt. Sofort geht der Pfarrer zusammen mit dem Kirchenvogt Lieutenant Rudolf Rigert zu dem „edlen, fürsichtigen und weisen Herrn Jost Rudolff Redig, duomallen Landtschreiber", und bittet ihn um eine milde Gabe für einen Taufstein, den dieser samt dem Taufbuch auf eigene Kosten anschaffen lässt. (Bri,24)

1747, 31. Dezember
Das Sigristenhaus wird erbaut

Das Sigristenhaus wird erbaut, das der jeweilige Sigrist als Pfrundhaus bewohnen darf. Auch hat er das Recht, darin zu wirten. Die Jahrzahl ist rechts und links beim Gibelfenster eingraviert. (Bri,35)

1798 - 1799
Über die Franzosenzeit wird später in einem separaten Chronik-Fenster berichtet.

1798, 13. November
Stand der Einwohner und Gebäude

Illgau besitzt 28 Wohnhäuser, wovon allerdings 6 unbewohnt sind, etwa 60 Ställe und 92 andere Gebäude. Die Einwohnerzahl ist ungefähr 162. (Bri,46)

1799/1800
Illgau besitzt eine Winterschule

Illgau besitzt nur eine Winterschule. Diesen Winter wird sie von 8 Kindern besucht. Der Pfarrer bringt ihnen das Lesen und Schreiben bei, sonst nichts. (Bri,52)

1848, 27. Februar
Illgau wird eine selbständige politische Gemeinde

Die Bezirksgemeinden nehmen die neue Kantonsverfassung an. Illgau wird eine selbständige Gemeinde. (Bri,67)

1870, 1. Januar
Ergebnisse der Volkszählung

Illgau hat laut amtlicher Volkszählung 36 Wohnhäuser, 44 Haushaltungen und 278 Einwohner. (Bri,74)

1893
Kirchweihe

Im Herbst weiht Bischof Battaglia die neue Kirche von Illgau. Sie wurde durch Architekt Steiner im neuromanischen Stil gebaut. Pfarrer von Hettlingen hat durch weitgehende Bettelreisen die nötigen Finanzen zusammengetragen. Die Illgauer leisteten an Fronarbeiten fast Unmenschliches. Alle Sonn- und Feiertage nachmittags trugen sie Sand und Zement und alles, was sonst für den Bau benötigt wurde, den sehr beschwerlichen Fluhweg hinauf. Die Kirche wurde auf den Fundamenten der alten Kirche errichtet; jedoch mit Vertauschung der Orientierung. Das Hochaltarbild, welches die Kreuzigungsgruppe darstellt, wurde durch Kunstmaler L. Niederberger im Jahre 1869 gemalt. (Bri,80,74) Es muss sich um die dritte Kirche von Illgau handeln. (PFBI,48/6.12.96)

1907
Jetzt kann man auch in Illgau telefonieren

Im Jahre 1907 wird im Sigristenhaus das Telefon eingerichtet. Der Hauptgegner, Vater Josef Lagler, habe es dann, so sagt man, am meisten benützt, bis er es in seinem Haus in der Steinweid selber einrichten liess. (Bri,89)

1911
Strasse Selgis - Illgau ist vollendet

Die neue Strasse ist nun vollendet! Während zwei vollen Jahren wurde unter der kundigen Leitung von Franz Cerncic, Brunnen daran gearbeitet. Manche Schwierigkeiten mussten überwunden werden, bis es soweit war. Wie freuen sich nun die Illgauer. Vorher haben sie alles durch den mühsamen, holperigen Fluhweg hinab- und hinauftragen müssen. (Bri,91)

1947, 22. Dezember
Medizinische Operation auf dem Stubentisch

Morgens in aller Früh wird Dr. Richard Schindler-Siegwart, Schwyz in einem dringenden Fall nach Illgau gerufen. Nur unter grossen Schwierigkeiten bahnt er sich mit dem Auto einen Weg durch die stark zugeschneite Muotathalerstrasse bis zum Fluhhof. Unter heftigem Schneegestöber und beständiger Lawinengefahr erreicht er auf Skiern das Dörflein und kann noch rechtzeitig ärztliche Hilfe leisten. Erst hier vernimmt er, dass in der Mütschenen ein 13-jähriges Mädchen an akuter Blinddarmentzündung darniederliege. Ein Transport steht ausser Diskussion, der Fall ist absolut dringend. Dr. Schindler nimmt mit denkbar primitiven Mitteln die Operation auf dem Stubentisch vor und rettet das Leben des Kindes. (Bri,117)

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