Chronik 2. Teil

Vorbemerkung: Bei den nachfolgenden Ereignissen handelt sich zum Teil um einen Auszug aus der Illgauer Chronik von 1948. Diese Chronik wurde durch P. Ezechiel Britschgi, ehemaliger Pfarrverweser in Illgau erstellt und als Büchlein herausgegeben. Inzwischen ist dieses Büchlein jedoch vergriffen. Er konnte auch auf die wertvollen Notizen von Elisa Betschart, Sonnheim zugreifen, die als eigentliche Lokalchronistin bezeichnet werden darf. Da mich die Geschichte von Dorf und Bevölkerung von Illgau ebenfalls sehr interessiert, habe ich nun die Chronik weitergeführt. Ich durfte von Elisa Betschart sämtliche Notizen, sozusagen als Nachlass, übernehmen. Es ist vorgesehen, nach Beendigung des 20. Jahrhunderts die Chronik gelegentlich wieder als Schrift herauszugeben.

Konrad Bürgler, Feldli, 6434 Illgau E-Mail: konrad.buergler@bluewin.ch

Der nachfolgende Bericht schildert die Franzosenzeit aus Illgauer Sicht. Wer einen genauen und umfangreichen Sachverhalt dieser oft recht verworrenen Zeit erhalten will, muss sich entsprechende Literatur beschaffen. Aber auch aus unserer Sicht kann doch geschlossen werden, wie hart und verbissen der Krieg gerade auch in unseren Regionen geführt wurde.

1798,12. April:

Revolution  in Frankreich

In Frankreich hatte sich zufolge der Revolution eine neue Regierung, das sogenannte Direktorium, gebildet. Auch in der Schweiz herrschten seit längerer Zeit gewisse untragbare und ungesunde Zustände, die nach einem Umsturz und einer gründlichen Neuordnung riefen.. Vom Basler Zunftmeister Peter Ochs und vom Waadtländer Cesar Laharpe gerufen, drangen im Frühling 1798 französische Truppen in die Schweiz ein und drängen ihr mit Gewalt eine neue Verfassung auf. So wird heute, den 12. April durch französischen Machtspruch die alte Eidgenossenschaft als aufgelöst erklärt und an deren Stelle "die eine und unteilbare helvetische Republik" ausgekündigt. Die Schweiz wird in 19 Kantone eingeteilt, die zum Teil ohne jede Rücksicht auf geschichtliche Tradition und natürliche Zusammengehörigkeit zusammengeschweisst wurden. So wird z.B. Schwyz mit Uri, Unterwalden und Zug zum neuen Kanton Waldstätte vereinigt. Die Kantone sind aber zu blossen Verwaltungsbezirken degradiert. An der Spitze der sogenannten Munizipalität (= Gemeinderat!) steht der Maire (= Bürgermeister). Ausserdem wird in jeder Gemeinde ein Agent als direkter Stellvertreter der Regierung ernannt, der den Spionendienst zu versehen hat und deswegen nicht besonders beliebt ist. Theoretisch wird unter dem helvetischen Regime Religions- und Gewissensfreiheit garantiert, doch wird die Tat bald zeigen wie das zu verstehen ist. Überall wird der neue heidnische Revolutionskalender eingeführt.
Unter Landeshauptmann Alois Reding ziehen die Schwyzer am 21. April gegen die Franzosen aus, besiegen sie in einem heldenhaften Kampf an der Schindellegi und bei Rothenthurm, müssen sich aber schliesslich doch der Mehrheit ergeben. (Bri,43)

1798, 8. Mai 

Wahl einer provisorischen Regierung 

Zum letzten Male versammelt sich heute der gesessene Landrat des Alten Landes Schwyz. Die Ratsherren legen ihr Amt nieder. Es wird eine provisorische Regierung gewählt. (Bri,44)

1798

Erstes Kriegsopfer

Das Totenbuch meldet ohne nähere Angabe des Tages, dass im Monat Mai Felix Anton Josef Alois Betschart an einer schweren Wunde, die er im Kampf gegen die Franzosen empfangen hatte, in Arth im Alter von 20 Jahren aus diesem Leben schied, nachdem er zuvor die hl. Sterbesakramente empfangen hatte. (Bri,44)

1798, 17. Mai 

Zweites Kriegsopfer

Heute stirbt der Schuhmacher Johann Balz Heinzer als zweites Opfer des Franzosenkrieges. Er stirbt in Schwyz, wohlversehen mit den hl. Sterbesakramenten. (Bri,44)

1798, 2. Juli

Schwyz ist Hauptort der Kantons Waldstätte

Schwyz wird zum Hauptort des Kantons Waldstätte erklärt. (Bri,45)

1798, 12. Juli 

Frankreichs Befehl zum Leisten des Bürgereid auf das  sogenannte "höllische Büchlein"

Gemäss Befehl der französischen Regierung (des Direktoriums) haben alle Schweizer innert 8 Wochen auf die neue Verfassung - das sogenannte "höllische Büchlein" - den Bürgereid zu leisten. Der päpstliche Nuntius und die Bischöfe von Konstanz, Basel und Chur erlauben den Eid unter dem Vorbehalte der kirchlichen Rechte und Freiheiten, welcher Vorbehalt erst nachträglich vom Direktorium angenommen wird. (Bri,45)

1798, 16. September

Die ersten Franzosen kommen nach Illgau

Nachdem die Franzosen schon früher den Sigristen Franz Anton Marty als eifrigen Anhänger der neuen Ordnung zum Agenten für Illgau eingesetzt haben, und dieser - wie es auch anderswo geübt wurde - neben dem Pfarrhof im Hasenmattweidli den sogenannten Freiheitsbaum ("eine schöne lange Latte, oben darauf ein Hut und ein dreifarbiges Fähnlein als rot, weiss und grün") aufgerichtet hat, kommen die ersten 20 Franzosen nach Illgau und quartieren sich zu zwei und zwei in die Häuser ein. Doch ziehen sie zum Glück bald wieder ab.
Wegen der Leistung des Bürgereides konnte man in besten Treuen geteilter Meinung sein. Pfarrer Inderbitzin vertritt die Ansicht, es sei klüger, den Eid zu leisten, weil man so eher der rohen Gewalt der Franzosen entgehe und zudem ein Widerstand mit der Zeit der grossen Übermacht doch weichen müsse. Das verschafft ihm in der eigenen Pfarrei nicht wenige Gegner. Wie er wieder einmal ausser der Kirche das Volk ermahnt, den Bürgereid zu leisten, wagte es "ein schlechter Bube, mit groben und unanständigen Worten zu widersprechen. Zuletzt brauchte er noch folgenden Ausspruch: Man hat schon lange gesagt, dieser gottlose, ehrvergessene Schelmenschleichweg müsse noch gebraucht werden, dass die Geistlichen solchen Bürgereid noch müssen anrühmen; wann Gott ein Land strafen wolle, so nehme er den Vorgesetzten das Licht und gibt’s uns Narren..." Dieser tritt später in eine unglückliche Ehe, kommt um Haus und Gut und muss samt seinen Kindern zum Bettelstab greifen. Er heisst Anton Heinzer.
In der Folgezeit kommen immer wieder Franzosen nach Illgau. Der bewährte Augenzeuge Balz Alois Bürgler, der das alles miterlebt, sagt u.a. darüber: Als die Franken in Schwyz eingerückt und hernach auch oft auf Illgau kamen, so hatten die Offiziere sich selbst beim Herr Pfarrer einquartiert, ja ihn oft sehr misshandelt, den ganzen Vorrat an Speis und Trank, der kaum für ihn allein genügt hätte, ganz aufgefressen. Was sie nicht mit Manier und Anständigkeit gefressen, haben die Franzosenweiber den Hunden gegeben und oft gute Speise ins Schweinefass getan, sodass der Herr Pfarrer einst in der Kirchmatt und ein anderes Mal hierher ins Kirchengut gekommen ist, dass er vor Hunger fast nicht mehr reden konnte und mit nassen Augen zuerst etwas weniges Milch oder Saufe begehrte. Hernach aber musste man stark in ihn dringen, bis er über seine Not sich aussprach. (Bri,45)

1798, 26. Dezember

Ein weiteres Kriegsopfer

Das Totenbuch meldet den heute erfolgten Tod des Johann Paul Betschart. Im Kampf gegen die Franzosen bei Rothenthurm hatte er am 2. Mai eine Wunde empfangen, die nun nach langem Schmerzenslager den Tod herbeigeführt hat. Er ist erst 35 Jahre alt und lässt 5 minderjährige Kinder zurück.
Ferner ist dieses Jahr als vierter Illgauer im Kampf gegen die Franzosen Zeno Alois Heinzer gestorben, dessen Todestag jedoch nicht bekannt ist.
Ausserdem wurden drei Illgauer verwundet: Jost Heinzer erhielt eine Wunde an einer Hand. Franz Horath "war durch das Bein geschossen und musste lang im Bett liegen. Felix Anton Heinzer ist an einem Arm plessiert. Er wurde erst in einem halben Jahr kuriert, aber nicht ganz."

Kyd (ein Chronist) bemerkt, dass Illgau wegen seiner Abgelegenheit in dieser Zeit vielfach als Zufluchtsort vor den grausamen Franzosen aufgesucht wird. (Bri,46)

1799, 11. März

Illgau wird eine verschleppte Glocke vom Einsiedler Kloster zugesprochen

Anno 1798 haben die Franzosen in Einsiedeln die Glocken vom Turm heruntergeworfen und die vier kleineren nach Bäch am Zürichsee verschafft. Die Gemeinde Illgau hat sich um eine dieser Glocken beworben und sich bereit erklärt, eine alte Glocke ihrer Kirche gegen eine solche einzutauschen. Diesem Begehren wird heute von der Verwaltungskammer der helvetischen Regierung auf dem Papier entsprochen. In Wirklichkeit wird Illgau diese Glocke aber nie sehen. (Bri,47)

1799, 31. März

Verbot der Kreuzgänge im Vierwaldstätterkapitel

Kommissar Thaddäus Müller macht dem Klerus des Vierwaldstätterkapitels das Verbot des helvetischen Kultusministers Stapfer bekannt, dass in Zukunft keine Kreuzgänge in eine andere Pfarrei oder an entfernt liegende Wallfahrtsorte mehr abgehalten werden dürfen. Von da an geht Illgau nicht mehr nach Morschach. (Bri,47)

1799, 5. April

Die "Munizipalität" von Illgau

Die durch die Illgauer letztes Jahr gewählte "Munizipälität", bestehend aus Kaspar Leonhard Bürgler, Georg Franz Betschart und Balz Heinzer, wird unter heutigem Datum von der Regierung bestätigt. (Bri,47)

1799

Die Franzosen legen ein Gesetzbuch vor

Im Monat April wird das grosse Gesetzbuch der neuen helvetischen Republik - "Das grosse Auflagen-System" genannt - in alle Gemeinden verschickt mit der Weisung, sich strikte daran zu halten. Das erbittert die Schwyzer nur noch mehr gegen die Franzosen. (Bri,47)

1799, 27. April

Ein geheimer Brief mit der Aufforderung sich gegen die Franzosen zu wehren

Heute wird dem Georg Franz Betschart im Hasen auf Illgau von Schwyz aus durch einen Boten ein Brief zugestellt mit der Weisung, diesen in gewisse Häuser auf dem hinteren Oberberg zu bringen; denn Morgen früh wolle man in Schwyz die Franzosen überrumpeln. Da er aber die eventuellen üblen Folgen befürchtet und den Brief nicht annimmt, bringt ihn ein anderer an seinen Bestimmungsort. (Bri,48)

1799, 28. April

"Der Hirthämlikrieg"

Die Schwyzer bekämpfen die Franzosen im sogenannten Hirthämlikrieg. "Es war die ganze Nacht unruhig. Man schwang vielerorts Fackeln. Um 2 Uhr nachts marschierte eine wilde, ungebärdige Rotte von Illgau über den Gründel nach Schwyz, um die alte Freiheit wieder zu holen." Auch von den übrigen Kirchgängen waren bewaffnette Männer hergekommen und umringten das ganze Dorf Schwyz. Die Franzosen griffen ebenfalls zu den Waffen, mussten aber die Flucht ergreifen. Tags darauf wird in Schwyz wieder eine provisorische Regierung, eine Art Kriegsrat gewählt. In Illgau werden dazu Kirchenvogt Franz Dominik Rickenbacher und Kaspar Leonhard Bürgler ernannt. (Bri,48)

1799, 7. Mai

Schwyz nicht mehr Hauptort des Kantons Waldstätte

Das Dekret vom 2. Juli 1798, kraft dessen Schwyz Hauptort des Kantons Waldstätte war, wird nun zur Strafe für die Widerspenstigkeit der Schwyzer aufgehoben. Als neuer Hauptort erklären die gesetzgebenden Räte Zug. (Bri,48)

1799, 14. Mai

Grossangriff der Franzosen

Morgens um 5 Uhr grosser Angriff der Franzosen im Rossberg, in Steinen und an allen Vorposten. Die Kaiserlichen und mit ihnen viele Schwyzer, Steiner und Ingenbohler fliehen ins Muotathal und nach Illgau, wo sie warten, bis die Franzosen vorüber sind. (Bri,50)

1799, 23. Mai 

Die Franzosen verschleppen 16 Illgauer

In der Nacht kommt eine französische Kriegsschar von Schwyz nach Illgau und nimmt die zwei Mitglieder des Kriegsrates, nämlich Kirchenvogt Franz Dominik Rickenbacher und Kaspar Leonhard Bürgler aus ihren Betten heraus und schleppt sie zusammen mit 14 weiteren Illgauern gefangen auf das alte Schloss Aarburg, wo sie nach 5 Wochen gegen Bezahlung von 6 Kronenthalern (Fr. 34.--) entlassen werden. Einige Illgauer konnten sich durch Flucht retten.

Am gleichen Tage fordert der Kommandant der französischen Truppen von der Gemeinde Illgau 100 neue Thaler als Brandsteuer für die fränkischen Soldaten, die im Hirthämlikrieg geschädigt worden seien. (Bri,48)

1799, 24. Mai 

Illgau wird belagert

Abends kommt eine Kompagnie deutsche Berner nach Illgau und schlägt im Hasenmattweidli und im Gütsch ein Lager auf. Die nächsten Tage kommen zwei Kompagnien deutsche Berner und zwei Kompagnien Franzosen nach Illgau, während zwei Kompagnien welsche Berner im Gründel lagern. (Bri,49)

1799, 26. Mai

Viele Wachtfeuer - ungesittete Soldaten

 

Abends 6 Uhr passieren von Muotathal her gegen 900 Soldaten, die aus Italien gekommen sind, durch das Dorf und gehen am gleichen Abend noch nach Jberg.
In den nächsten Nächten sind viele Wachen auf Illgau. Im Hasenmattweidli allein brennen 15 - 20 Wachtfeuer. Auch ob dem Kirchenguthaus, im Balmli und beim Wart-Käppeli brennen Wachtfeuer. Auf jedem Wachtposten stehen bei Tag und bei Nacht 8 - 12 Mann, die sich - besonders die Franzosen und die welschen Berner! - oft die grössten Ausschweifungen erlauben, sodass kein Mensch vor ihnen sicher ist. Was sie erwischen, stehlen sie hemmungslos weg. Die deutschen Berner hingegen sind edel und schützen das Volk nach Kräften. (Bri,49)

 

1799, 27. Mai 

Die Franzosen schiessen von Illgau aus über die Fluh hinab

Einige hundert Österreicher und zahlreiche geflohene Schwyzer kommen über den Pragel ins Muotathal. Die Franzosen schiessen von Illgau aus über die Fluh hinab. Am Abend ziehen sich die im Tal liegenden französischen Truppen nach Hinteriberg zurück. Auf Illgau bleibt alles scharf bewacht. Die Franzosen haben viele Illgauer gezwungen, mit ihnen grosse Steine in des Pfarrers Hostet zu tragen, damit sie sich gegebenenfalls gegen den Feind wehren könnten. Balz Alois Bürgler, dem wir diese Mitteilung verdanken, muss mit einigen anderen nach Schwyz und aus dem dortigen französischen Magazin Brot und Fleisch, Patronen und Feuerstein und auch einige Flaschen Branntwein für die Franzosen nach Illgau bringen. (Bri,49)

1799, 28. Mai

Ca. 4000 Soldaten in Illgau

Diesen Morgen befinden sich ca. 4000 Mann, teils Franzosen, teils deutsche und welsche Berner, in Illgau. Über 100 Wachtfeuer haben die Nacht hindurch geflackert. Untertags kämpfen sie im Tal drunten, gegen Abend kommen sie wieder herauf und hausen gar übel. Der in Muotathal wohnhafte Illgauer Josef Martin Suter und sein 22-jähriger Sohn Alois werden vor den Augen der Mutter, die immer nur betet, in der eigenen Stube mit Säbeln niedergemacht. (Bri,49)

1799, 12. Juni

Die Österreicher kommen

Aus dem Muotathal kommen zwei Kompagnien "Kaiserliche" (= Österreicher, die gegen die Franzosen kämpfen) nach Illgau. Die eine stellt sich bei der Kirche auf, die andere in der Wart. "Diese kaiserlichen Soldaten waren ein grossgewachsenes, grobes, unbarmherziges und unsäuberliches Volk, ruch gekleidet und mögen sehr viel essen. Sind sehr unhöflich, und man hat mehr Laster und Ausschweifung von ihnen zu befürchten als von den Franzosen." Ein Glück, dass sie nach wenigen Tagen wieder abziehen, sodass Illgau für ein paar Tage keine Soldaten mehr beherbergt. (Bri,50)

1799, 16. Juni 

Heimkehr für Geflohene und Deportierte

Heute kehren die 4 Illgauer, die zu den Kaiserlichen geflohen waren, und die 15, die in die Gefangenschaft nach Aarburg deportiert waren, zurück.
In der Folgezeit kamen von Glarus her etwa 800 Kaiserliche und Glarner nach Jberg, Muotathal und Schwyz. "Kommen auch auf Illgau, nur um zu "Frässen", sonst haben sie hier gar nichts zu tun, aussert dass sie dem Weibervolk sehr gut zu Diensten waren, sodass dieses nirgends sicher war, wo sich Glarner aufhielten." (Bri,50)

1799, 15. August

Die Rolle des Sigristen

Eine mehr als fragwürdige Rolle spielte seit Beginn der Franzosenzeit der Illgauer Sigrist Franz Anton Marty. Nach der Beschreibung des Chronisten Fassbind, der ihn vielleicht persönlich gekannt hat, ist er ein Riese von 6 ½ Schuh (ca 195 cm), hat sich durch eifriges Lesen und Studieren in der Geschichte ausgebildet und auch ein wenig Latein und Französisch studiert. Im Frühling 1798 hatte er sich zur französischen Partei geschlagen, war dann von der helvetischen Regierung zum Agenten für Illgau ernannt worden, was ihn bei der Bevölkerung verhasst gemacht hatte. Am heutigen Tage nun kommen des Morgens zahlreiche Soldaten nach Illgau. Etwa 200 Franzosen lagern in der Lauenen, 350 Kaiserliche im Gründel und 600 - 700 Schwyzerbauern auf der Sternenegg und auf Hessisbohl. Vom Jberg her kommen die Franzosen und schlagen die Österreicher nach Illgau zurück, wo diese aber auf eine mittlerweile aus dem Muotathal heraufgekommene französiche Mannschaft stossen. Viele geben sich gefangen, andere fliehen über die Alpen. In Illgau selber geht es schrecklich zu. Fast keine Einwohner sind mehr daheim in ihren Häusern. Die meisten halten sich in Wäldern oder Unterschlüpfen verborgen. Der Pfarrer aber weicht nicht von seinem Posten. Auch Sigrist Marty, der Agent, ist zurückgeblieben. Und jetzt geschieht das Unerwartete. Durch ein unvorsichtiges Wort in französischer Sprache reizt er einige französische Soldaten, sodass sie ihm nicht mehr trauen. Sie holen ihn aus dem Haus heraus, binden ihn zuunterst auf dem Kirchmattboden an einen Baum und erschiessen ihn. Er ist erst 48 Jahre alt. Seine Frau und die Pfarrköchin bestatten die Leiche ohne Totenbaum auf dem Kirchhofe. Sein Totenschädel wurde noch im Beinhaus aufbewahrt und man sah ganz deutlich die grosse Verletzung durch die Kugel am Hinterkopf. In der Kirche stehlen die wilden Horden einen Kelch, die Monstranz und das Ziborium. Das Allerheiligste hatte der Pfarrer in ein Schächtelchen geschlossen und dieses in der Sakristei unter dem "Kniebrettli" im Beichtstuhl sorgsam verborgen, sodass es nicht entehrt werden konnte. (Bri,50)

1799, 16. August

Vier Kompagnien Franzosen in Illgau

Morgens um 9 Uhr kommen wiederum viele Franzosen nach Illgau herauf; zwei Kompagnien, die volle 12 Tage bleiben werden, lagern sich in des Nauers Weid und Berg auf Oberberg, zwei andere lassen sich vorübergehend im Hasenmattli nieder.
Allmählich kehren nun die Einwohner von Illgau wieder in ihre Bahausungen zurück, weil es doch ruhiger geworden ist. (Bri,51)

1799, 18. August

Lebensmittelnot wegen den Franzosen

Auch in Muotathal befinden sich noch viele Franzosen. Lager haben sie aufgeschlagen in der Starzlen, im Kuchli und im Sand unter Illgau. Keinen Menschen lassen sie ohne Pass in einen Berg oder auf eine Alp, nicht einmal nach Schwyz, weshalb eine grosse Not an Lebensmitteln herrscht.
Zehn Tage lang mussten Illgauer und Muotathaler für die Franzosen Munition nach Glarus tragen. (Bri,51)

1799, 29. September

General Suworof kommt über den Kinzig

Über den Kinzigpass kommen heute die Russen unter ihrem Generalissimus Suworof nach Muotathal, um vereint mit den Kaiserlichen die Franzosen aus dem Lande zu schlagen. Die Franzosen ziehen sich bis Hinteriberg und Schönenbuch zurück. (Bri,52)

1799, 30. September

Kampf zwischen Franzosen und Russen

Endlich ziehen die in Illgau zurückgebliebenen Franzosen nach Schwyz ab.
Nachmittags um 3 Uhr beginnt ein grausiger Kampf zwischen Franzosen und Russen im Tal unterhalb der Fluh, wobei die Franzosen zurückweichen bis Schönenbuch. Es kommen auch etwa 20 Russen nach Illgau herauf, die "geschwind etwas gestohlen, hernach wieder fort". (Bri,52)

1799, 1. Oktober 

Ein furchtbar blutiges Gefecht

Um Mittag beginnt der Kampf von neuem. Am Rambach treffen die beiden Schlachtreihen aufeinander und messen sich in einem furchtbaren und blutigen Gefechte, wobei eine Umgehungskolonne der Franzosen über Illgau die Russen in der Flanke angreift, während das Gros von Schönenbuch über die steinerne Brücke sie in der Front nimmt. Schliesslich ziehen sich die Russen über den Pragel zurück. Auch die Franzosen gehen bald weg, und endlich kehrt wieder Ruhe ein. (Bri,52)

30.06.2000 (Fortsetzung folgt.)

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