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Im
Frühling 2006 ging Konrad Bürgler, Feldli auf den
spanischen Jakobsweg.
Guido Bürgler, Serenade hat ihn nach
seiner Rückkehr über seine Eindrücke und Erlebnisse
befragt.
Das Interview:
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Guido Bürgler |
Konrad Bürgler |
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Der Jakobsweg hat in den letzten Jahren
sehr an Popularität zugenommen. Warum geht man
eigentlich auf den Jakobsweg? |
Es gibt verschiedene Gründe den Jakobsweg zu
beschreiten. Die einen gehen aus religiösen Gründen um
einmal das Grab des Apostels Jakobus zu besuchen, andere
aus sportlichen, wieder andere benutzen diesen Weg um
sich selbst zu finden. Ich selber wollte diesen Weg als
Übergang vom Erwerbsleben ins Pensioniertenleben machen
und habe dies fast ein Jahr vorher schon mit meiner
Familie besprochen. Vom 27. April bis 29. Mai dieses
Jahres habe ich nun den Weg von Roncesvalles bis
Santiago de Compostela unter die Füsse genommen. |
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Die einen sprechen von wandern, andere von pilgern. Was
trifft nun eher zu? |
Für mich war es ein Pilgern. Erstens begegnet man so
vielen historischen Gebäuden, so auch vielen Kirchen und
Klöstern, aus zum Teil mittelalterlicher Zeit. Zweitens
hat man auf dem Weg sehr viel Zeit zum Sprechen, Denken
oder eben Nichts-Denken, aber auch zum Beten. Darüber
hinaus werden an vielen Orten Pilgergottesdienste
angeboten, die ich sehr gerne benutzt habe. Spanien ist
ja ein katholisches Land. |
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Wo in der spanischen Landschaft geht der Weg durch und
wo ist Santiago de Compostela? |
Der Weg geht etwa 100 bis 150 km landeinwärts von der
Küste Nordspaniens. Der Ausgangspunkt ist Roncesvalles
bei den Pyrenäen und es geht dann immer nach Westen,
fast bis zur Westküste, wo Santiago liegt. Man
durchquert der Reihe nach die autonomen Regionen
Navarra, Rioja, Castillien und Galizien. Ganz an der
Westküste, am Atlantik, liegt das Städchen Finisterre,
das ich auch besucht habe. Das ist der westlichste Punkt
Europas. Früher glaubte man, dort sei das Ende der Welt.
Daher auch der Name (Finis = Ende und Terre = Erde). |
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Wie bereitet man sich auf einen solch langen Weg vor und
was nimmt man mit? |
Ich habe schon öfters gelesen, dass man ohne besondere
sportliche Vorbereitung diesen Weg antreten kann. Für
mich wäre das nicht in Frage gekommen. Ich habe im
Vorfeld bereits gegen 300 km Fussweg gemacht, zum Teil
auch mit einem 10 Kilo schweren Rucksack. Besonders für
Leute in meinem Alter erachte ich dies als ein Muss. Ich
habe Leute getroffen, die gingen ohne Vorbereitung und
haben bereits am zweiten Tag gesagt, dass jeder Schritt
den sie machen sehr schmerzhaft sei, und dachten bereits
an eine tägige oder zweitägige Pause.
Dann liest man halt auch viel darüber, sucht im Internet
allerlei Interessantes über den Weg und stellt sich
einen provisorischen Zeit- oder Streckenplan zusammen.
Ich hatte ein gutes Büchlein bei mir, das auch sehr viel
über die geografische Situation wie Kartenausschnitt und
Höhenprofil Auskunft gab. Der gepackte Rucksack ist mit
dem Essen für einen Tag, Kleidern, Schlafsack und allen
Kleinigkeiten so um die 11 – 12 kg schwer. |
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Kann man den Weg allein machen und wieweit muss man die
spanische Sprache beherrschen? |
Man kann den Weg gut allein machen. Aber man trifft
immer auch andere Pilger, die auf dem Weg sind. Mit
denen kann man sich unterhalten, ein Stück weit oder
auch tagelang zusammengehen. Spanische Sprachkenntnisse
sind von Vorteil, aber nicht Bedingung. Hingegen sollte
man dann etwas Englisch-, Französisch- oder
Italienisch-Kenntnisse haben. |
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Wie gelangt man an den Ausgangspunkt Roncesvalles? |
Es gibt da verschiedene Wege. Die einen gehen von
Pamplona aus zurück nach Roncesvalles. Ich reiste über
Lourdes, Bayonne, St. Jean Pied de Port an den
Ausgangsort. Für viele beginnt der Weg bereits auf der
französischen Seite der Pyrenäen, also bei St. Jean Pied
de Port. Die Strecke von St. Jean bis Roncesvalles ist
rund 25 km lang. Von Roncesavlles bis Santiago sind es
(gemäss meinem Guide) 774.1 km. Mit Umwegen oder
Abkürzungen kann man plus/minus ein paar Kilometer dazu
oder abrechnen. |
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Wie sieht dann der „Alltag“ eines Pilgers aus? |
Mein Tagesablauf war folgendermassen: Ca. 6 – ½ 7 Uhr
Aufstehen, all seine Habseligkeiten einpacken, dann
etwas weniges zum Frühstück einnehmen, vielfach aus dem
Rucksack. So rund eine Stunde nach der Tagwache geht man
dann auf den Weg. Wenn sich Gelegenheit bietet, kehrt
man eine oder zwei Stunden später gerne in ein
Restaurant ein und trinkt etwas Warmes. Bald aber geht
es wieder weiter. Gegen Mittag verpflegt man sich,
wieder aus dem Rucksack. Früchte, Brot oder etwas
Trockenfleisch und viel Trinken gehören dazu. Nach knapp
einer Stunde Mittagszeit geht’s wieder weiter und je
nach Vermögen, ob die Füsse mögen oder schmerzen ist das
Tagesziel früher oder später erreicht. Dann geht man zur
Herberge, lässt sich eintragen, lässt den Pilgerpass
abstempeln, und bezahlt die Übernachtungsgebühr. Danach
sucht man sich das Bett, manchmal wird es zugewiesen,
richtet sich wieder ein, macht Körperpflege wie duschen,
Füsse massieren und ruht dann aber auch aus. Am frühen
Abend geht man in ein Restaurant und verspeist ein gutes
Pilgermenu, in der Regel ein 3-Gang Menu mit Wein. In
einigen Unterkünften kann man auch selbst kochen, was
man bei sich hat. Dies wird auch reichlich benutzt und
es ist manchmal amüsant zuzuschauen, wie etwa ein halbes
Dutzend Parten mit dem vorhandenen Kochherd und dem
nicht zu reichlich vorhandenen Geschirr zu Recht kommt.
Improvisieren ist dann halt gefragt. Vor oder nach dem
Nachtessen gehts dann womöglich noch zum
Pilgergottesdienst. Dann so gegen ½ 9 – 9 Uhr geht man
ins Bett. |
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Wie teilt man diese 774 km in Etappen ein und was macht
man wenn man wunde Füsse hat? |
Im
Vorfeld der Reise habe ich mir auch Etappen eingeteilt.
Es ist aber am besten, wenn man nicht zu genau plant.
Man kann längere Etappen machen, wenns einem gut geht
und muss kürzere Etappen machen, wenn es nicht so gut
geht. Meine Etappen waren zwischen knapp 20 und gut 30
km lang.
Manche Pilger haben Blasen an den Füssen und laufen
trotzdem. Gut ist es, wenn man Druckstellen an den
Füssen vorsorglich abklebt mit selbstklebender
elastischer Binde oder speziellem Pflaster. Ich habe
beobachtet, dass im Verlaufe der Zeit rund zwei Drittel
der Pilger kleinere oder grössere gesundheitliche
Probleme hatten, sei es mit Füssen, Knien, Schultern
oder anderen Körperteilen. Einige konnten den Weg nicht
zu Ende machen wegen gesundheitlichen Problemen. |
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Was ist landschaftlich reizvoll in Nordspanien? |
Schön
sind alle Abschnitte des Weges. Mir haben die grossen
Rebberge, die es in allen Regionen gibt, immer sehr gut
gefallen. Aber auch die riesigen Getreidefelder, die
nicht enden wollende Hochebene, die sogenannte Meseta
zwischen Burgos und Leon, dann aber auch wieder die
Berge. Am allerbesten aber gefiel mir die Region
Galizien.
Traurig gemacht haben mich die vielen Häuser, die am
Zerfallen sind, oder die Dörfer, die nur noch sehr wenig
bevölkert sind und vielleicht sogar vom Aussterben
bedroht sind. |
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Und wo sind die kulturellen und religiösen Highlights? |
Aufgefallen sind mir die vielen imposanten kirchlichen
Gebäude. Sie sind zwar oft sehr alt und haben einen
eigenen Charakter. So gibt es viele Kirchtürme ohne
Uhren und als Aufgang dient eine Wendeltreppe aussen
oder eine Stiege aussen. Dafür hat es manchmal
Pendeluhren in den Kirchen, so wie wir sie von früher
her in unseren guten Stuben kennen.
Sehr schön sind auch die Kathedralen von Burgos, Leon
und dann natürlich Santiago. Diese haben immense
kulturelle Bedeutung und Werte. Sehr beeindruckend war
es auch beim Cruz de Ferro auf über 1'500 m über meer,
wo ich einen Stein aus Illgau hinlegte. |
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Von unseren Begriffen her ist es in Spanien vielmals
sehr heiss. Wie war das Wetter? |
Das Wetter war, man kann es sagen, ideal. Geregnet hat
es nur am ersten Tag, als ich von Roncesvalles nach
Zubiri gelaufen bin und dann später noch einen Tag, als
ich von La Faba über die 3 Pässe rund um O Cebreiro war.
Dafür hatte ich an diesem Tag den ganzen Cockteil von
Regen, Schneefall, starkem, bissigem Wind und sogar
leichtem Hagel. Aber auch die Sonne zeigte sich noch.
Oder als ich Burgos verliess, war das Wetter zwar gut
aber nur gerade zwei Grad warm. Da habe ich Kappe und
Handschuhe gerne angezogen. Natürlich gab es auch sehr
warme Tage. |
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Und wie kann man sich diesen Weg, eben den Camino de
Santiago vorstellen? |
Der Camino de Santiago ist sehr abwechslungsreich. Gegen
¾ des Weges sind Naturwege. Es geht auf und ab und
manchmal sind sie, von Anhöhen sichtbar, sehr, sehr
lang. Aber eben, es waren wunder-schöne Tage. |
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Ich sehe da den Pilgerpass und die Urkunde, die in
Santiago ausgestellt wurde. Woher sind die vielen
Eintragungen im Pilgerpass? |
Mindestens bei jeder Unterkunft gab es einen Stempel in
den Pilgerpass. Manchmal besuchte ich eine kulturelle
Stätte, wo es auch wieder einen Stempel gab. So ist der
Pass fast voll geworden. Er ist aber auch als spätere
Erinnerung für den Pilger wertvoll. Die Urkunde erhalten
diejenigen Personen, die mindestens die letzten 100 km
zu Fuss oder 200 km mit dem Velo absolviert haben. Diese
Urkunde wird in Santiago ausgestellt. |
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Für wen ist der Jakobsweg empfehlenswert?
Impressionen von der Pilgerreise (klicke auf die
Bilder)
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Für mich
war es ein wunderschönes Erlebnis, auch wenn der Weg mit
Strapazen verbunden war. Ich konnte ein neues Land ein
wenig kennenlernen, viele religiöse Gedenkstätten
besuchen, konnte meine Freude am Wandern damit verbinden
und lernte zudem eine ganze Menge Leute aus den
verschiedensten Ländern kennen. Die 33 Tage, an denen
ich auf dem Weg war, werden für mich unvergesslich
bleiben.
Personen, die etwas Spezielles machen möchten, kann
dieser Weg wärmstens empfohlen werden. |
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