Zirk-Beitrag: Rückblick in die 1930-er Jahre - Illgau feiert das Fronleichnamsfest «Üses Herrgott’s Tag».

Fronleichnam wird jedes Jahr 10 Tage nach Pfingsten gefeiert.

Das Wort Fronleichnam leitet sich aus den mittelhochdeutschen Wörtern «Fron» (Herr) und «Lichnam» (lebendiger Leib) ab. Es ist also das Hochfest des Leibes und Blutes Christi. Gefeiert wird damit die leibliche Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie.

Text: Konrad Bürgler

Während der Priester den eucharistischen Segen erteilt, knien die Prozessionsteilnehmer in Andacht und Ehrfurcht nieder. Bild: im Besitz von Konrad Bürgler

Schon seit Jahrhunderten ist es üblich, nach dem Fronleichnamsgottesdienst eine Flurprozession abzuhalten. Dafür wurden früher vier Altäre im Freien hergerichtet und geschmückt. Die prächtigen Altäre verwandelten sich zum Teil in ein wahres Blütenmeer. Die Feierlichkeiten wurden musikalisch und gesanglich durch die Feldmusik und den Kirchenchor umrahmt. Angeführt wurde die Prozession durch den Schellenbub. Seine Aufgabe bestand darin, mit der Glocke zu läuten während die Prozession in Bewegung war, und so auf das Kommen unseres Jesus Christus in Brotgestalt aufmerksam zu machen. Es folgte die Kirchenfahne und das Kreuz. Dann war das Kirchenvolk an der Reihe, zuerst die Schulkinder und die Lehrschwestern, dann die ledigen Männer, danach die verheirateten Männer. Nun reihte sich die Feldmusik ein in den Umzug. Es folgte ein Laternenträger. Dann waren die Ministranten und die Baldachinträger an der Reihe. Die vier Träger des «Himmels» wie man den Baldachin im Volksmund auch nennt, waren von Amtes wegen bestimmt, und es war ein Ehrenamt ihn zu tragen. Unter dem «Himmel» lief der Priester mit der Monstranz, in der das Allerheiligste ausgesetzt war. Nun war wieder ein Laternenträger an der Reihe. Weiter folgte der Kirchenchor und daran anschliessend die Jungfrauen, gleich welchen Alters. Sie hatten zum Zeichen ihrer Jungfräulichkeit ein weisses Kränzchen auf dem Kopf. Einige Jungfrauen trugen die Statue der Gottesmutter Maria im Festzug mit. Den Abschluss machten die verheirateten Frauen und deren Kleinkinder.

Der ganze Prozessionsweg war reich geschmückt mit Blumen und grünen Ästen. An einigen Orten waren Statuen von Jesus, von Heiligen oder Bilder aufgestellt. All dies bezeugte die tiefe Ehrfurcht und den Glauben an unseren Erlöser und Heiland.

Bei jedem Altar machte die Prozession Halt und es wurde das Evangelium eines der vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes verlesen. Nachdem die Feldmusik ein besinnliches Stück gespielt hatte oder der Kirchenchor ein Lied gesungen hatte, erteilte der Priester den eucharistischen Segen. Dann ging es weiter zum nächsten Altar. Der Prozessionsweg führte nach dem Kirchenauszug zuerst zum Schulhaus, wo der erste Altar war, danach ein paar Schritte weiter zum Pfarrhofeingang. Der dritte Altar war beim Beinhaus hergerichtet. Der Weg ging weiter um die Kirche herum zum vierten Altar beim
Sigristenhaus. Alsdann ging es ein weiteres Mal ringsum die Kirche, ehe man wieder in die Kirche ging und dort nochmals den Segen empfangen konnte. Die Fronleichnamsfeierlichkeiten dauerten oftmals um die zwei Stunden.

Heutzutage ist nur noch ein Altar im Freien hergerichtet. Und zwar beim festlich
geschmückten Strassenkreuz beim Brüggli. Die Hierarchie hat sich etwas geändert gegenüber früher. Fronleichnam aber ist in unserer Kirchgemeinde ein hoher Feiertag geblieben.


Viele kirchliche und politische Behördemitglieder der Einheitsgemeinde hatten eine ehrenamtliche Funktion bei der Fronleichnamsprozession.
Diese waren hierarchisch gegliedert.

Die Baldachinträger (“Himmelträger”):

Der Kirchenvogt:vorne rechts
Der Gemeindepräsident:vorne links
Der Armenpflegepräsident:hinten rechts
Der Fürsorgepräsident:hinten links

Die Laternenträger:

Der Rosenkranzvogt:vor dem Himmel
Der Seelenstiftsvogt:vorne links

 

 

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