24.05.2019 - Sieben Personen aus Luftseilbahn „gerettet“

45‘000 Personen benützten im Jahr 2018 die Luftseilbahn Illgau-Ried. Die Bahn garantiert den Anschluss der Gemeinde ans ÖV-Netz. Am 24. Mai fand eine grosse Rettungsübung statt.

Oben, von links: Feuerwehr-Einsatzleiter Markus Arnold. Ein Retter wird über das Zugseil zu einer blockierten Kabine hinuntergelassen. Bilder: Guido Bürgler Unten, von links: Sechs Passagiere werden von den beiden blockierten Kabinen auf den Waldboden abgeseilt. Der letzte Passagier bei der Evakuation zur Bergstation. Bilder: Ernst Betschart

Freitagabend, 19.30 Uhr. Die Luftseilbahn Illgau-Ried steht plötzlich still, ist defekt. Total sieben Passagiere sitzen in den zwei Kabinen fest. Was ist passiert? Emil Heinzer, stellvertretender technischer Leiter erklärte: „Zum Glück ist es ‚nur‘ eine Übung. In der Talstation kam es zu einer Zugseil-Entgleisung. Dies führte zur Überlastung des Frequenzumformers und dann zum Brand im Maschinenraum in der Bergstation.“ Die aufgebotene Feuerwehr Illgau ist mit 35 Mann schnell vor Ort. Sie sichert die Unfallstelle. Die „Atemschutz“-Gruppe dringt ins rauchgeschwängerte Gebäude vor. Der Betriebsleiter, der die Bahn bediente, hat einen Schock erlitten und wird geborgen. Der Brand kann gelöscht werden. Inzwischen hat Übungsleiter Koni Bürgler entschieden, dass eine Rettung per Heli nicht möglich ist, da dichter Nebel liegt. Daher werden Bergungsspezialisten aufgeboten. Die Passagiere in den Kabinen werden laufend via Telefon informiert und aufgerufen, Ruhe zu bewahren. Inzwischen sind sechs Urner „Rettungsspezialisten Helikopter“ der Rettungsstation Erstfeld in Illgau eingetroffen. Flink und sehr professionell bereiten sie die Rettung vor. Jeder Handgriff sitzt. Sie werden von vier Rettungskräften der Rettungskolonne Muotathal unterstützt. Speditiv und voll konzentriert wird je ein Retter pro Kabine über das Zugseil an einem speziell angefertigten Seilfahrgerät ("Rollgehänge") talwärts in Richtung Kabinen hinuntergelassen. Nach und nach werden sechs Passagiere fast 60 Meter auf den Waldboden abgeseilt. Jedoch der letzte verbliebene Fahrgast wird übungshalber via „Rollgehänge“ nach oben zur Bergstation evakuiert. Ein solches Rettungsszenario ist denkbar, wenn eine Heli-Rettung nicht möglich ist, und die Passagiere nicht abgeseilt werden können. Denn es könnte ja sein, dass der Boden unter den blockierten Kabinen aus steilem felsigem Gelände besteht.

Erfolgreicher Test stärkt Vertrauen der Bahnbenützer

Um 21.00 Uhr sind alle Passagiere in Sicherheit. Sowohl die Übungs- und Einsatzleitung als auch der Leiter der Rettungsspezialisten – Bergführer Iwan Infanger – zeigen sich mit dem Übungsverlauf gut zufrieden. Iwan Infanger: „Es handelt sich um eine vergleichsweise einfache Luftseilbahn. Sie hat keine Masten. Zudem hatten wir angenehmes Maiwetter.“ Bedeutend schwieriger seien Rettungen bei Starkregen oder mitten im Winter, wenn alles gefroren ist, fügte er an. Auch die Verantwortlichen der Luftseilbahn Illgau-Ried sind froh über den erfolgreich verlaufenen Test der Bahn: „Unsere Passagiere können darauf vertrauen, dass sie in einem Notfall professionell betreut und evakuiert würden“, erklärte Emil Heinzer anlässlich der Übungsbesprechung. Die Luftseilbahn ist nebst der Gemeindestrasse Illgau-Grünenwald die zweite wichtige „Lebensader“ für die Berggemeinde. Sie ist Teil des ÖV-Netzes. 2018 waren 45‘000 Personen transportiert worden. Rund die Hälfte im „Jeton“-Betrieb (Automat ausserhalb der bedienten Zeit).

Guido Bürgler

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