03.08.2016 - Vor hundert Jahren wurde in Illgau ein neues Schulhaus eingeweiht

Bis unser Bildungssystem soweit war wie heute, gab es manche Hürde zu bewältigen.Noch vor gut 100 Jahren, war der Schulbesuch in unserer Gemeinde freiwillig. Die Mithilfe der Kinder in den Familienbetrieben wurde stärker gewichtet als eine zeitgemässe schulische Ausbildung.

1916 wurde das neue Schulhaus eingeweiht. Viele Schweisstropfen wurden wohl in den folgenden knapp 50 Jahren von manchmal arg geplagten Schülern vergossen.

Bereits um 1799/1800 gab es eine Winterschule bei uns. Besucht wurde sie von acht Kindern. So heisst es in der Illgauerchronik: «Der Pfarrer bringt ihnen das Lesen und Schreiben bei, sonst nichts». 1849 war der damalige Pfarrer Alois Bürgler auch Schullehrer: «Da ging es kurz. In der Woche zweimal mussten sich die Kinder im Sigristenhaus versammeln. Der Pfarrer unterrichtete die Kinder etwa eine Stunde im Lesen und Schreiben, dann sagte er: Kinder geht heim zum Arbeiten, es ist besser als da zu sitzen. So kam es, dass die meisten nur notdürftig lesen lernten, schreiben konnte selten einer, umso weniger, da dieser Schulbesuch noch freiwillig war».
1859 wurde das erste Schullokal errichtet, als Anbau an das damalige Pfarrhaus. Doch dieser Anbau muss äusserst einfach eingerichtet gewesen sein, denn beheizt werden konnte er erst knapp 40 Jahre später.

Pfarrer von Hettlingen setzte sich für den Schulhausneubau ein
1908 bewegte sich wieder etwas ins Sachen Schulhausbau. Pfarrer von Hettlingen, Schulpräsident, stellte den Antrag, ein neues Schulhaus zu erstellen. Am 8. November dieses Jahres bestimmte der Gemeinderat eine Schulhausbaukommission, mit Pfarrer Viktor von Hettlingen an der Spitze. Am 7. Dezember 1913 beschloss die Gemeindeversammlung den Neubau, weil das bisherige Lokal nicht mehr den derzeitigen Anforderungen genügt. Projektleiter war Architekt Thaddey aus Brunnen. Man rechnete mit Kosten von Fr. 20'000. «Die Gemeinde stellt den Bauplatz kostenlos zur Verfügung. Ferner wird die Gemeinde alles Bauholz auf eigene Kosten fällen und herbeischaffen, wie auch Steine und Sand usw. Des weiteren beschliesst die heutige Kirchgemeinde, dass jeder steuerpflichtige Bürger vorläufig 30 Stunden Fronarbeit zu leisten oder für jede Stunde 40 Rappen Schulhausbausteuer zu bezahlen habe.» Der Bau wurde am 9. August 1915 begonnen und war am 27. Oktober bereits unter Dach. Weil dann aber diese 30 Stunden Frondienst nicht reichten, beschloss der Gemeinderat im April 1915, dass jeder Bürger 10 weitere Stunden zu leisten habe. Im Dezember des gleichen Jahres beschloss der Gemeinderat eine Nähmaschine für die Schule anzuschaffen. Dies auf Wunsch der Lehrschwestern. Der innere Ausbau wurde im September 1916 abgeschlossen. (Man darf nicht vergessen, in diesen Jahren war der erste Weltkrieg in vollem Gange.)

Am 28. September 1916 war Einweihung des neu erstellten Schulhauses
Bereits acht Tage nach der feierlichen Einsegnung durch den neuen Pfarrer Friedrich Kistler wurde der Schulbetrieb aufgenommen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf Fr. 26'032.35, woran der Kanton Fr. 23'000 bezahlte. Das Schulhaus hatte im Erdgeschoss zwei Keller und eine Waschküche. Im 1. Obergeschoss ein grosses Schulzimmer, ein Zimmer für Gemeindeakten und je ein WC für die Buben und die Mädchen. Im 2. Obergeschoss schliesslich baute man die Lehrerwohnung. Damit man die Schulräume beheizen kann, musste jeder steuerpflichtige Bürger jährlich 11 Burdeli Studen oder eine Taxe von Fr. 3.00 bezahlen. Später wurde diese Taxe auf Fr. 4.50 erhöht. Die Kinder der 4. – 7. Klasse gingen vormittags zur Schule, die 1. – 3. Klasse durfte am Nachmittag Lesen und Schreiben lernen. Die Handarbeitsschule, jeweils am Mittwoch, besuchten nur die Mädchen, die Buben hatten frei und konnten zu Hause mitarbeiten. So ging es Jahrzehnte lang weiter bis der Jahrgang 1944 im Jahr 1951 eingeschult werden musste. Die 18 Kinder hätten mit den andern Klassen zusammen im einzigen Schulzimmer gar keinen Platz gefunden. Kurzerhand wurde der Holzkeller im Erdgeschoss zu einem Schulzimmer umgebaut. Inzwischen wurde der Halbtagsunterricht von zwei Ingenbohler Schwestern erteilt. Am Vormittag ging die 1. und 2. Klasse im neuen Schulzimmer zu Schwester Alexia, die 4. – 7. Klasse einen Stock höher zu Schwester Severia zur Schule. Nachmittags besuchten dann die 3. und 4.-Klässler bei Schwester Severia den Unterricht.

Die Einführung der Ganztagsschule erforderte zusätzliche Schulzimmer
Das wäre wohl noch lange so weitergegangen, wenn nicht der Wechsel von der Halbtagsschule zur Ganztagsschule gekommen wäre. So musste die Gemeinde in den frühen 1960-er Jahren erneut an den Bau eines neuen Schulhauses denken. Schulhaus und Turnhalle wurden 1965 eingeweiht.
Derzeit (2016) zählt die Gemeinde Illgau 9 Kindergärtler. 62 Kinder sind im Primarschulalter und 32 im Oberschulalter (Bezirksschule, Gymnasium, Werkschule).
Das alte, verwaiste Schulhaus aber musste 1980/1981 der neuen Gemeindekanzlei weichen.
(Quelle: Illgauer Chronik – Geschichte eines Bergdorfes)

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